Bauleiterin Anica: Zwischen Alltag, Team & Verantwortung in der Bauwerkserhaltung.
Wie sah dein Weg in die Bauleitung aus?
Nach meinem Bauingenieurstudium bin ich vor vier Jahren als Nachwuchsingenieurin bei ZÜBLIN eingestiegen. Gerade vor dem Hintergrund des eher theoretisch geprägten Studiums war dieser Einstieg für mich ein idealer Schritt in die praktische Berufswelt. Über mein Vorstellungsgespräch in Essen bin ich dann bei der TORKRET gelandet, die seit 2012 als hundertprozentige Tochter zu der ZÜBLIN Bauwerkserhaltung gehört.
Im Nachwuchsingenieurprogramm hatte ich die Möglichkeit, verschiedene Abteilungen, Direktionen und Standorte kennenzulernen. Diese Vielfalt hat mir ein umfassendes Verständnis für Abläufe, Schnittstellen und Verantwortlichkeiten im Konzern vermittelt und mir die Möglichkeit gegeben, Fachkenntnisse auszubauen.
Besonders wertvoll für mich war, dass ich mir in dieser Zeit ein Netzwerk an Kolleginnen und Kollegen aufbauen konnte, auf das ich bis heute zurückgreifen kann.
Nach rund eineinhalb Jahren im Nachwuchsingenieurprogramm und mit einem breiten Einblick in die Projektabwicklung sowie die Konzernstrukturen bin ich schließlich im Januar 2024 in die Bauleitung gewechselt.
Was fasziniert dich an der Bauwerkserhaltung besonders?
Die Arbeit im Bestand ist für mich besonders spannend, weil jedes Bauwerk seine eigene Geschichte und damit ganz individuelle Herausforderungen mit sich bringt. Kein Bauwerk gleicht dem anderen, und man muss individuelle Lösungen finden, die sowohl die Substanz erhalten als auch heutigen Anforderungen und Standards gerecht werden.
In der Bauwerkserhaltung geht es nicht nur darum, Schäden zu beheben, sondern bestehende Bauwerke langfristig zu sichern und nachhaltig nutzbar zu machen. Man beschäftigt sich nicht nur mit Technik, sondern auch mit der Geschichte und dem Charakter eines Bauwerks. Genau das macht für mich den besonderen Reiz aus:
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ZÜBLIN / Anica Philipps -
ZÜBLIN / Anica Philipps
Welche Aufgaben prägen deinen Alltag als Bauleiterin?
Als Bauleiterin habe ich die Aufgabe, ein Bauprojekt in seiner Gesamtheit im Blick zu behalten und sorge dafür, dass es sowohl technisch als auch wirtschaftlich erfolgreich umgesetzt werden kann. In enger Abstimmung mit dem:der Polier:in, sowie dem gesamten Baustellen- und Projektteam steuere ich den Bauablauf und begleite die praktische Ausführung unter anderem durch die Planung des Personaleinsatzes, Qualitätskontrollen sowie Abstimmungen mit Projektbeteiligten.
Mein Arbeitsalltag pendelt zwischen Büro und Baustelle. Vor Ort ergeben sich oftmals spontane Themen, die kurzfristige Entscheidungen erfordern und das Aufgabenfeld besonders vielseitig machen.
Besonders an der Bauwerkserhaltung und speziell bei TORKRET ist, dass wir Projekte oft ganzheitlich betreuen. Wir kalkulieren kleinere Maßnahmen selbst, kümmern uns um vorbereitende Arbeiten wie Bauablaufplanung und Materialbeschaffung, stehen in engem Austausch mit dem Einkauf für Vergaben und Verhandlungen und begleiten die Abwicklung bis zur Fertigstellung.
Diese breite Aufgabenpalette gibt mir einen tiefen Einblick in den gesamten Projektverlauf.
Welche Skills sollte man mitbringen, wenn man in der Bauleitung oder speziell in der Bauwerkserhaltung arbeiten möchte?
Grundvoraussetzungen sind aus meiner Sicht vor allem die Faszination für das Bauwesen, ein solides technisches Grundverständnis sowie Freude daran, im Team zu arbeiten. Dazu kommt die Begeisterung für die Besonderheiten der Instandsetzung – also dafür, bestehende Strukturen zu verstehen und zu erhalten.
Eine der wichtigsten Fähigkeiten ist klare und respektvolle Kommunikation. Als Bauleiterin ist man die zentrale Schnittstelle und eine verlässliche Ansprechperson für das gesamte Team.
Ebenso wichtig ist eine strukturierte Arbeitsweise. Man koordiniert Termine, Gewerke und Abläufe, und besonders im Bestand kommt es häufig vor, dass sich Situationen spontan ändern. Dann braucht es Flexibilität und die Fähigkeiten, den Überblick zu behalten und pragmatische Lösungen zu finden.
Gerade in der Bauwerkserhaltung spielt der Blick fürs Detail eine große Rolle. Schäden oder Ursachen liegen oft nicht sofort offen, sondern zeigen sich erst beim genauen Hinsehen und Untersuchen. Wer gerne analysiert und tüftelt, findet in diesem Berufsfeld viele spannende Herausforderungen. Alles Weitere entwickelt sich mit der Erfahrung in Beruf und Praxis, der Neugier und dem Willen, stetig an sich zu wachsen.
Was hat dir persönlich am meisten geholfen, in deine Rolle hineinzuwachsen – fachlich und menschlich?
Fachlich hat mir vor allem geholfen, früh Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig offen damit umzugehen, wenn ich etwas noch nicht wusste. In der Bauleitung lernt man am meisten direkt auf der Baustelle – durch Hinschauen, Zuhören und den Austausch mit Kolleg:innen. Besonders bereichernd ist für mich der Austausch mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen: Man lernt voneinander, ergänzt sich und geht Projekte Hand in Hand an. Die enge Zusammenarbeit mit dem:der Polier:in und dem gesamten Team hat mir viel Sicherheit gegeben und mich fachlich enorm weitergebracht.
Auf der menschlichen Ebene war für mich entscheidend, neugierig zu bleiben, Dinge zu hinterfragen und im Team zu denken. Bauleitung funktioniert nur mit Vertrauen, sowohl in andere als auch in die eigene Entscheidungsfähigkeit. Der Umgang mit spontanen Situationen hat mich ebenfalls geprägt und mir gezeigt, wie wichtig es ist, in solchen Phasen ruhig zu bleiben, Prioritäten zu setzen und strukturiert vorzugehen.
Auch wenn der Bau technisch geprägt ist, lebt der Alltag stark von zwischenmenschlicher Kommunikation, Zusammenarbeit und gegenseitigem Verständnis. Man lernt unglaublich viel über Menschen, Konflikte, Teamdynamiken und darüber, wie man gemeinsam Lösungen findet.
Was motiviert dich jeden Tag aufs Neue?
Mich motiviert vor allem die Vielfalt meines Berufs. Jeder Tag bringt neue Aufgaben, Entscheidungen und Lerngelegenheiten. Kein Projekt und keine Situation ist gleich. Besonders motivierend finde ich, gemeinsam im Team Lösungen zu entwickeln und am Ende des Tages zu sehen, welchen Fortschritt man gemeinsam erzielt hat.
Welche Projekte oder Herausforderungen sind dir besonders im Gedächtnis geblieben?
Die ersten Baustellen, auf denen ich als Nachwuchsingenieurin unterstützend tätig war, prägten mich besonders.
Neben meinen ersten eigenen Baustellen in Wuppertal und Gelsenkirchen habe ich zudem ein kleineres Bauvorhaben in Wetter an der Ruhr begleitet. Obwohl es sich um ein Kleinprojekt handelte, war es dennoch ein sehr außergewöhnliches und besonderes Projekt. Wir haben ein Denkmal für Gefallene aus dem Zweiten Weltkrieg saniert und konnten damit ein Stück Kultur und Geschichte erhalten.
Zu meinen aktuellen Projekten zählt der Kohlenturm auf der Kokerei Zollverein, ein Projekt in meiner Heimatstadt und aufgrund des UNESCO-Weltkulturerbestatus etwas ganz Besonderes. Zudem betreue ich in Zusammenarbeit mit zwei Kollegen die Sanierung des Parkhauses der Ruhr-Universität in Bochum, das als ARGE gemeinsam mit ZÜBLIN Ingenieurbau und Bauen im Bestand umgesetzt wird. Dieses Projekt stellt aufgrund des Umfangs und der Komplexität eine neue Herausforderung für uns alle dar. Ich freue mich sehr auf die neuen Herausforderungen, das damit verbundene persönliche und fachliche Wachstum und bin gespannt, welche Projekte und beruflichen Erfahrungen in den kommenden Jahren noch auf mich warten.
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ZÜBLIN / Anica Philipps -
ZÜBLIN / Anica Philipps
Was würdest du jungen Frauen raten, die überlegen, in die Bauleitung oder Bauwerkserhaltung einzusteigen?
Mut zu haben und ihren eigenen Weg zu gehen. Es kostet anfangs vielleicht ein wenig Überwindung, sich in einer überwiegend von Männern dominierten Branche zu behaupten. Aber man wächst unglaublich schnell hinein, wenn man authentisch bleibt, an sich glaubt und offen für Neues ist.
Die Bauleitung lebt zu einem großen Teil von Teamarbeit. Jeder einzelne hat seine ganz eigenen Stärken, die sich in der Gruppe ergänzen und zum gemeinsamen Erfolg beitragen. Respekt, Wertschätzung und Offenheit sind entscheidende Faktoren, um das Beste für das Projekt und das Team zu erreichen.
Danke liebe Anica für das Interview und viel Erfolg bei allen weiteren Projekten!
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