Wie die Zusammenarbeit in einem internationalen Projektteam gelingt.

Die Modernisierung des Bonatzbau ist eines der größten Bauprojekte, dass die Zentrale Technik im Moment betreut. Was macht das Projekt so einzigartig?
Das Projekt Bonatzbau ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie wir nahezu alle unsere strategischen Handlungsfelder erfolgreich in einem Bauprojekt integrieren. Als internationales Projektteam arbeiten wir grenzübergreifend an der Planung des denkmalgeschützten Bestandsgebäudes. Innerhalb der Zentralen Technik sind darüber hinaus verschiedene Bereiche vertreten, sodass wir für dieses besondere Großprojekt Planungen aus einer Hand anbieten können. Besonders wichtig ist mir dabei zu betonen, dass die internationale Zusammenarbeit zwar wirtschaftliche Vorteile bringt, wir aber gleichzeitig durch hervorragend ausgebildete Spezialist:innen eine hohe Qualität sicherstellen können.
Du hast bereits das Thema Internationalisierung angesprochen. Was war der Grund dafür, dass Standorte wie Sofia, Belgrad und Ho-Chi-Minh-Stadt in das Projekt einbezogen wurden und welche Kompetenzen bringen diese ein?
Die Einbindung unserer internationalen Standorte bringt mehrere Vorteile mit sich. Neben wirtschaftlichen Aspekten profitieren wir von einer erhöhten Personalkapazität. Ein besonders wichtiger Faktor ist die Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen aus Vietnam, durch die wir aufgrund der Zeitverschiebung nahezu rund um die Uhr planen können. Das verschafft uns auch einen zeitlichen Vorteil. Jeder unserer Standorte trägt mit spezifischen Kompetenzen zur Planung bei: Sofia und Belgrad unterstützen uns bei der BIM-Modellierung und Schalplanung, während die Kolleg:innen in Vietnam die Bewehrungspläne erstellen.
Du hast das Thema Zeitverschiebung erwähnt. Wie können wir uns die Zusammenarbeit in eurem internationalen Projektteam vorstellen?
Die Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen in Vietnam zeigt, wie wichtig Anpassungsfähigkeit in internationalen Teams ist und welche Mehrwerte sie bieten kann. Konkret läuft das so ab: Während des Arbeitstages in Stuttgart erstellen wir die Grundlagen und Vorgaben für die Bewehrungsplanung und schicken sie gegen Feierabend nach Vietnam. Dort werden sie während des Arbeitstages bearbeitet und kurz vor unserer Mittagspause in Stuttgart in überarbeiteter Form zurückgesendet. Besonders vorteilhaft ist, dass sich unsere Arbeitszeiten teilweise überschneiden, sodass wir direkt auf Rückfragen reagieren können.
Wie stimmt ihr euch untereinander ab?
Generell erfolgen unsere Abstimmungen hauptsächlich über Teams. In einem wöchentlichen Jour fixe bringen wir uns alle auf den neuesten Stand und legen Zuständigkeiten fest, während zusätzliche Meetings bei Bedarf stattfinden. Die Dokumentenablage erfolgt cloudbasiert, sodass alle jederzeit Zugriff auf die aktuellsten Dateien haben, was dank moderner Technik reibungslos funktioniert. Unsere Plansprache ist Deutsch und somit muss zumindest in Teilen in deutscher Sprache gearbeitet werden. Die meisten der internationalen Kolleg:innen sprechen mittlerweile gut Deutsch, nehmen an Sprachkursen teil, um die deutsche Sprache zu lernen oder haben sogar in Deutschland studiert. Alternativ behelfen wir uns einfach mit der englischen Sprache – das funktioniert reibungslos.
Gibt es auch Vor-Ort-Besuche?
Ja, unsere Kolleg:innen aus Belgrad und Sofia statten uns regelmäßig Besuche in Stuttgart ab. So können die internationalen Kolleg:innen in der Praxis sehen, wie die eigene Planung umgesetzt wird – eine große Motivation und ein wertvoller Beitrag zum Teambuilding. Auch ich habe bereits die Kolleg:innen in Sofia besucht, was für mich auch ein großer Teil unserer gegenseitigen Wertschätzung ist. Solche Besuche fördern das Verständnis für die Arbeitsweise des Gegenübers und stärken den Austausch im Team.
Letztes Jahr waren die Kolleg:innen aus Belgrad und Sofia in Stuttgart zu Besuch. Wie sah eure gemeinsame Zeit aus?
Alle am Projekt beteiligten Personen aus Sofia und Belgrad haben uns für zwei Wochen in Stuttgart besucht und wir haben alle zusammen im Innovation Center gearbeitet. Auch wenn die Zusammenarbeit über Teams problemlos funktioniert, ist das persönliche Zusammenarbeiten für alle dann nochmal ein richtiges Highlight und sehr bereichernd. Wir haben dann auch auf der Bonatzbau-Baustelle vorbeigeschaut. Dort hatten die Kolleg:innen die Möglichkeit, sich mit den operativen Kolleg:innen vor Ort auszutauschen. Und natürlich gab es auch gemeinsame Essen und Afterwork-Veranstaltungen. Zusammenfassend gesagt: Wir hatten einen richtig guten Teamspirit und das merkt man direkt auch in der weiteren Zusammenarbeit.
Gibt es kulturelle oder technische Unterschiede, die berücksichtigt werden müssen?
Kulturelle Unterschiede nehme ich mittlerweile kaum noch wahr – das liegt wahrscheinlich daran, dass wir so eng zusammenarbeiten und genau wissen, wie wir miteinander umgehen. Sicherlich gibt es einzelne Unterschiede, aber gerade das macht die Zusammenarbeit spannender. Ein Beispiel ist der Umgang mit Feedback. In Deutschland sind wir bekannt dafür, offen zu sagen, wenn etwas nicht funktioniert, was in anderen Ländern nicht immer gleich gut ankommt. Hier ist es wichtig, das Gespräch zu suchen und eine Kommunikationsweise zu finden, die für alle passt und niemanden vor den Kopf stößt. Das ist ein Lernprozess, den man gemeinsam gehen muss.
Fachlich sind wir auf Augenhöhe – dank des hohen Bildungsstands, des exzellenten Fachwissens und der teils vorhandenen Deutschkenntnisse der Kolleg:innen. Der einzige Unterschied ist der Standort der Büros.
Hast du eine persönliche Anekdote, die die internationale Zusammenarbeit in diesem Projekt betrifft und die du mit uns teilen möchtest?
Ich habe einmal gelesen, dass es Unterschiede in der Körpersprache zwischen Deutschland und Bulgarien gibt. Das stimmt: In Bulgarien bedeutet ein Kopfschütteln „ja“ und ein Nicken „nein“ – das war mir vorher nicht bewusst. Als ich das Thema ansprach, erklärten mir die Kolleg:innen aus Bulgarien, dass sie, durch die lange und enge Zusammenarbeit mit uns, in gemeinsamen Terminen oft schon unterbewusst die deutsche Körpersprache übernommen haben. Deshalb war dieser Unterschied bisher kaum aufgefallen, aber es ist dennoch gut zu wissen, insbesondere wenn neue Teammitglieder hinzukommen.
Zum Abschluss: Was sind die nächsten Schritte für das Projekt Bonatzbau?
Bis Mitte des Jahres möchten wir das Projekt planungsseitig abgeschlossen haben.
Vielen Dank für das Interview und die spannenden Insights, Benedikt!
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